Feldbefreiungen auf dem BASF-Amflora-Acker

Polizei holt Gendreck-weg-Aktivistin vom Acker

Gestern gab es die zweite Feldbefreiungsaktion auf diesem Acker in Mecklenburg-Vorpommern, Müritzkreis, bei Zepkow.

Anfang Juli (7./8. Juli) verzeichnet BASF eine nächtliche „Aufräumaktion“, dem ca. 1 ha Kartoffeln zum Opfer fielen (eindrückliches Foto). Von den AktivistInnen ist bisher allerdings nichts bekannt.

Die Gentechnik gehört hinter Gitter!

Drei Wochen später, am 29. Juli 2010, gelingt eine öffentlich angekündigte Feldbefreiungsaktion von Gendreck-weg:

Gentechnik-GegnerInnen lassen Amflora nicht zu
Sechs FeldbefreierInnen von Gendreck-weg holen BASF-Kartoffel vom Acker

Am heutigen Donnerstag, dem 29. Juli, haben sechs UnterstützerInnen der Initiative Gendreck-Weg trotz Polizei sechs Säcke mit gentechnisch veränderten (gv) Kartoffeln vom Amflora-Acker der BASF nahe Zepkow im Müritzkreis (Mecklenburg-Vorpommern) entfernt. Sie entsorgten sie in Säcken mit der Aufschrift „Vorsicht! Gentechnisch veränderte Organismen! Nicht zum Verzehr geeignet!“ Unterstützt wurden sie von vielen AnwohnerInnen und der örtlichen Bürgerinitiative.

Laut ihrer Aussage will niemand haben, was hier als von der Bundesregierung genehmigte Stärkekartoffel wächst. Sowohl die deutsche Stärkeindustrie als auch die Verbraucher lehnen dankend ab. Von den vielen guten Gründen gegen die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft allgemein, geben die AktivistInnen noch einige spezielle Gründe für die Ablehnung der Amflora an:

1. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) warnt davor, diese GV-Kartoffel in Umlauf zu bringen. Denn Amflora enthält eine Gensequenz, die sie gegen zwei Antibiotika resistent macht, die als Reservemedikament beispielsweise gegen TBC dienen. Und nach den in Europa geltenden Zulassungsregeln ist eine Pflanze, die Antibiotikaresistenz-Markergene enthält, nicht mehr zuzulassen. Von seiten der europäischen Zulassungsstelle EFSA und von BASF wird zwar behauptet, dass ein horizontaler Gentransfer unwahrscheinlich ist. Die Zulassung ist aber davon unabhängig rechtswidrig zustande gekommen.

2. Für das Zulassungsverfahren ist die Vorlage einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vorgeschrieben. BASF hat hierzu das Ergebnis zweier Studien vorgelegt, aus denen hervorgeht, dass verschiedene Käfer und Insekten die Amflora nicht nachhaltig schädigten. Bei der UVP geht es aber nach geltendem Recht und Gesetz um die Frage, ob der GVO der Umwelt schadet, und nicht umgekehrt.

3. BASF hat die Verbreitung der sogenannten Stärkekartoffel nicht unter Kontrolle: In Bütow (letztjähriger Anbau) wurden auf dem abgeernteten Feld mehrmals Wildschweine gesichtet, die restliche Kartoffeln ausgruben, und BASF tat nichts, um das zu verhindern. Da beißt sich die Katze in den Schwanz: eigentlich fehlt die Umweltverträglichkeitsprüfung als Voraussetzung für eine Zulassung, doch BASF gibt gegenüber alarmierten BürgerInnen die unrechtmäßige Zulassung als Unbedenklichkeitsbescheinigung aus.

4. Auch ein Auskreuzen in Futtermittel und Lebensmittel wird von BASF explizit nicht ausgeschlossen, denn sie beantragten für die sogenannte Stärkekartoffel gleichzeitig auch die Zulassung als Futter- und Lebensmittel – ohne jegliche Gesundheitsprüfung oder Fütterungsstudie.

Doch eine Klage zur Verhinderung des gentechnischen Anbaus ist nach dem Gentechnikgesetz selbst bei größter Gefahrenlage ausgeschlossen. Bis zu einem Endergebnis ist die Amflora schon längst geerntet. Deswegen sieht Holger-Isabelle Jänicke von der Initiative Gendreck-weg jetzt die Zeit zum Handeln gekommen: „Ich will, dass die Zulassung widerrufen wird. So lange Weder Politiker noch Gerichte Mensch und Natur vor der Gentechnik schützen, müssen wir eben selbst für den faktischen Widerruf sorgen,“ so der Feldbefreier, während er in seinem Schutzanzug die Pflanzen entfernt.

„Mit unserer Aktion setzen wir ein starkes Signal, die Amflora von den Äckern vertreiben soll,“ bekräftigt auch Karl Braig, der mit dieser Aktion seine dritte Verurteilung wegen einer Feldbefreiung riskiert. „Wir fordern die BASF auf, endlich diese Kartoffel aus dem Verkehr zu ziehen. Gentechnik gehört nicht auf die Felder oder die Teller“.

Als Reaktion organisierte das Unternehmen BASF eine Gegendemonstration mit ihren Auszubildenden. „Die Abhängigkeit der ArbeitnehmerInnen von ihrem Unternehmen auf diese Weise auszunutzen, finde ich schäbig,“ kommentiert Simone Ott, eine Unterstützerin, diese Aktion.