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Antritt zur deutschlandweit ersten Haftstrafe wegen Genfeldbefreiung (6 Monate)

Pressemitteilung:
Der kommende Donnerstag könnte die Debatte um die Agro-Gentechnik beeinflussen. Das bundesweit mit Abstand bisher höchste Urteil für eine Genfeldbefreiung wird vollzogen. Es geht um Abschreckung, damit neue Profitchancen für Konzerne durchgesetzt werden könnten trotz anhaltendem Protest. Für diesen Tag hat die Staatsanwaltschaft Gießen den Gentechnikkritiker Jörg Bergstedt zum Haftantritt geladen. Er ist der erste Feldbefreier, der in Deutschland zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Bislang verhängten Gerichte „nur“ Geldstrafen – doch den anhaltenden Protest konnte das bislang nicht stoppen. (mehr…)

Aktion gegen das AgroBioTechnikum, Mecklenburg-Vorpommern

(von Indymedia)

Seit 2005 werden Genversuche an Nutzpflanzen im AgroBioTechnikum Groß Lüsewitz durchgeführt. Im nahe gelegenen Sagerheide werden die genveränderten Pflanzen in Freilandversuchen getestet. Das Versuchsfeld ist mit einem doppelten Zaun, Flutlicht und ständig anwesenden Sicherheitsbeamten gesichert. (mehr Informationen)

„Zeit für kreative Aktionen“ dachten sich Aktivisten und handelten. In den ersten Augusttagen wurden Schilder an der Bundesstraße, die an Groß Lüsewitz und Sagerheide vorbei führt, aufgehängt. Die Schilder sollten die anwohnenden und vorbeifahrenden Menschen darauf aufmerksam machen, das sich in ihrer direkten Nachbarschaft eben jene Versuchsfelder und Labore befinden.
Anscheinend hatten die Anwohner keinen Sinn für die Hinweise der Aktivisten… So mussten die Aktivisten Groß Lüsewitz einen zweiten Besuch abstatten. Dabei verzierten sie zur Mahnung das Hauptgebäude des AgroBioTechnikums mit grüner Farbe und hinterließen zur Erinnerung nochmals ihre Forderung & Pusteblumen.

Solidarische Grüsze an den Ökoaktivisten und Gefangenen* Jörg Bergstedt
Genfelder abschaffen ‒ in Groß Lüsewitz und überall!

* Anm.: Jörg Bergstedt befindet sich noch nicht in Haft

Feldbefreiungen auf dem BASF-Amflora-Acker

Polizei holt Gendreck-weg-Aktivistin vom Acker

Gestern gab es die zweite Feldbefreiungsaktion auf diesem Acker in Mecklenburg-Vorpommern, Müritzkreis, bei Zepkow.

Anfang Juli (7./8. Juli) verzeichnet BASF eine nächtliche „Aufräumaktion“, dem ca. 1 ha Kartoffeln zum Opfer fielen (eindrückliches Foto). Von den AktivistInnen ist bisher allerdings nichts bekannt.

Die Gentechnik gehört hinter Gitter!

Drei Wochen später, am 29. Juli 2010, gelingt eine öffentlich angekündigte Feldbefreiungsaktion von Gendreck-weg:

Gentechnik-GegnerInnen lassen Amflora nicht zu
Sechs FeldbefreierInnen von Gendreck-weg holen BASF-Kartoffel vom Acker

Am heutigen Donnerstag, dem 29. Juli, haben sechs UnterstützerInnen der Initiative Gendreck-Weg trotz Polizei sechs Säcke mit gentechnisch veränderten (gv) Kartoffeln vom Amflora-Acker der BASF nahe Zepkow im Müritzkreis (Mecklenburg-Vorpommern) entfernt. Sie entsorgten sie in Säcken mit der Aufschrift „Vorsicht! Gentechnisch veränderte Organismen! Nicht zum Verzehr geeignet!“ Unterstützt wurden sie von vielen AnwohnerInnen und der örtlichen Bürgerinitiative.

Laut ihrer Aussage will niemand haben, was hier als von der Bundesregierung genehmigte Stärkekartoffel wächst. Sowohl die deutsche Stärkeindustrie als auch die Verbraucher lehnen dankend ab. Von den vielen guten Gründen gegen die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft allgemein, geben die AktivistInnen noch einige spezielle Gründe für die Ablehnung der Amflora an:

1. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) warnt davor, diese GV-Kartoffel in Umlauf zu bringen. Denn Amflora enthält eine Gensequenz, die sie gegen zwei Antibiotika resistent macht, die als Reservemedikament beispielsweise gegen TBC dienen. Und nach den in Europa geltenden Zulassungsregeln ist eine Pflanze, die Antibiotikaresistenz-Markergene enthält, nicht mehr zuzulassen. Von seiten der europäischen Zulassungsstelle EFSA und von BASF wird zwar behauptet, dass ein horizontaler Gentransfer unwahrscheinlich ist. Die Zulassung ist aber davon unabhängig rechtswidrig zustande gekommen.

2. Für das Zulassungsverfahren ist die Vorlage einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vorgeschrieben. BASF hat hierzu das Ergebnis zweier Studien vorgelegt, aus denen hervorgeht, dass verschiedene Käfer und Insekten die Amflora nicht nachhaltig schädigten. Bei der UVP geht es aber nach geltendem Recht und Gesetz um die Frage, ob der GVO der Umwelt schadet, und nicht umgekehrt.

3. BASF hat die Verbreitung der sogenannten Stärkekartoffel nicht unter Kontrolle: In Bütow (letztjähriger Anbau) wurden auf dem abgeernteten Feld mehrmals Wildschweine gesichtet, die restliche Kartoffeln ausgruben, und BASF tat nichts, um das zu verhindern. Da beißt sich die Katze in den Schwanz: eigentlich fehlt die Umweltverträglichkeitsprüfung als Voraussetzung für eine Zulassung, doch BASF gibt gegenüber alarmierten BürgerInnen die unrechtmäßige Zulassung als Unbedenklichkeitsbescheinigung aus.

4. Auch ein Auskreuzen in Futtermittel und Lebensmittel wird von BASF explizit nicht ausgeschlossen, denn sie beantragten für die sogenannte Stärkekartoffel gleichzeitig auch die Zulassung als Futter- und Lebensmittel – ohne jegliche Gesundheitsprüfung oder Fütterungsstudie.

Doch eine Klage zur Verhinderung des gentechnischen Anbaus ist nach dem Gentechnikgesetz selbst bei größter Gefahrenlage ausgeschlossen. Bis zu einem Endergebnis ist die Amflora schon längst geerntet. Deswegen sieht Holger-Isabelle Jänicke von der Initiative Gendreck-weg jetzt die Zeit zum Handeln gekommen: „Ich will, dass die Zulassung widerrufen wird. So lange Weder Politiker noch Gerichte Mensch und Natur vor der Gentechnik schützen, müssen wir eben selbst für den faktischen Widerruf sorgen,“ so der Feldbefreier, während er in seinem Schutzanzug die Pflanzen entfernt.

„Mit unserer Aktion setzen wir ein starkes Signal, die Amflora von den Äckern vertreiben soll,“ bekräftigt auch Karl Braig, der mit dieser Aktion seine dritte Verurteilung wegen einer Feldbefreiung riskiert. „Wir fordern die BASF auf, endlich diese Kartoffel aus dem Verkehr zu ziehen. Gentechnik gehört nicht auf die Felder oder die Teller“.

Als Reaktion organisierte das Unternehmen BASF eine Gegendemonstration mit ihren Auszubildenden. „Die Abhängigkeit der ArbeitnehmerInnen von ihrem Unternehmen auf diese Weise auszunutzen, finde ich schäbig,“ kommentiert Simone Ott, eine Unterstützerin, diese Aktion.

Feldbefreiung nahe Herzberg, 16.07.2010

(hier zitiert von Indymedia) :

04916/01589 – hinter dieser Flächenkennziffer verbirgt sich die Anmeldung eines Gentech-VersuchsMaisfeldes von Syngenta. 9000m² wurden auch dieses Jahr wieder angemeldet und nahe Herzberg in Brandenburg ausgesäht; und auch dieses Jahr wurde das Feld wieder zerstört oder, wie es auch genannt wird: „Befreit“.
Auffällig ist, dass dieses Jahr diese Aktion eher allein dasteht. Das mag damit zusammenhängen, dass schon seit letztem Jahr der kommerzielle Anbau von Gentech-Mais verboten ist und dass die Genehmigung des kommerziellen Anbaus von „Amflora“ (eine BASF-Gentechkartoffel) 2010 noch keinen großflächigen Anbau in Deutschland nach sich gezogen hat.

Stattdessen werden die wenigen Gentech-Kartoffel-Felder, die es gibt, stark bewacht. Zäune, ständig anwesendes Wachpersonal, willkürliche Kontrollen mit Flutlicht mitten in der Nacht sind hier an der Tagesordnung.

Ganz anders jedoch bei dem Syngenta-Mais-Feld: Es ist schon beinahe Brauch, dass dieser Versuch nicht lange stehen bleibt und dennoch gab es auch dieses Jahr offenbar keine oder nicht genügend Sicherheitsvorkehrungen.

Woran mag das liegen? „Im Moment ist es hauptsächlich Forschung in der Gentechnik, weil es dafür Geld gibt“, räumte Inge Broer schon 2006 gegenüber dem WDR freimütig ein, als dieser fragte, warum sie nur zur Agro-Gentechnik forsche. Wenn es also wirklich nur um die Fördergeld geht, dann ist natürlich egal, was letztendlich mit dem Feld geschieht.

Was könnte noch Grund für solch halbherzige Versuchsfelder sein? 2006 tauchte weltweit die Reissorte „LLRice 601″ von Bayer CropScience in Lebensmitteln auf. Diese Sorte wurde nie, auf der ganzen Welt, zum normalen Anbau zugelassen; der Fall illustriert, was für eine Wirkung Versuchsfelder haben können, weltweit.

Es grenzt an Verschwörungstheorien, daraus nun zu schlussfolgern, dass zum Zwecke der unkontrollierten Verbreitung (Auskreuzung) patentierter Pflanzen weiterhin immer wieder Versuchsfelder in die Landschaft gesetzt werden. Doch selbst wenn das nicht (ein) Ziel des Versuchsanbaus ist: Die Gefahr ist real und so bleibt sie Motivation, Freiluftversuche vor der Auskreuzung zu stoppen. Immer wieder.

Monsantofeld-Besetzung, letzter Tag

Monsantofeld-Besetzung in Düllstadt bei Kitzingen
26.04.2010

Nachdem vor dem Wochenende kein Nachweis über die aktuelle Situation auf dem Gentechnik-Maisacker zu bekommen war, wurden die Besetzer*innen heute persönlich bei der Regierung von Unterfranken vorstellig. Als Antrag nach dem Umweltinformationsgesetz erreichten sie schließlich die Herausgabe der umstrittenen Verzichtserklärung von Monsanto. Daraus geht hervor, dass Monsanto am 16.04.2010 erklärte, dieses Jahr keinen gv-Mais-Anbau in Düllstadt betreiben zu wollen.

Die Aktivist*innen freuen sich über diese Entwicklung und kündigen für morgen ihren Auszug an. Natürlich nicht, ohne dieses Ereignis noch einmal gebührend zu feiern. Alle UnterstützerInnen sind für den heutigen letzten Abend herzlich auf das Feld eingeladen. Für morgen werden noch fleißige Abbauhelfer*innen gesucht. Abschließend meint Anne Leitz: „Es hätte alles gar nicht so weit kommen brauchen, wenn z.B. Monsanto die Absage gleich an die Öffentlichkeit weitergegeben hätte. Für die Zukunft fordern wir mehr Transparenz über solche Vorgänge.“

Anschließend unterzeichnete der Feldbesitzer Herr Hetterich den Feldbesetzer*innen, dass er für dieses Jahr keinen GVO-Anbau auf seinen Feldern plane, und die Besetzer*innen versicherten ihm schriftlich, bis morgen abend abgezogen zu sein. Da Monsantos Genehmigung noch bis zum Jahr 2011 gilt, wird das nächste Jahr zeigen, ob sich Feldbesetzer und -besitzer wieder in einer ähnlichen Situation gegenüber stehen.

Nach den Erfahrungen des letzten Jahres gibt es nun noch einen weiteren Freiland-Standort für MON810-Mais: im beschaulichen Dörfchen Üplingen in Sachsen-Anhalt. Hier soll es ein 20.000 qm großes Feld zu „Anschauungszwecken“ im Schaugarten geben (www.schaugarten-ueplingen.de). „Dort wird nicht einmal so getan, als würden irgendwelche Forschungszwecke verfolgt,“ kritisiert Anne Leitz. „Die Pflanzen stehen nur so da rum, und trotzdem wird das vom BVL als Freisetzungsversuch genehmigt…“ Die Besetzer*innen bemühen sich auch hier um eine aktuelle Information über die mögliche Aussaat.

Während die Aktivist*innen mit dem Einpacken beginnen, endete der erste Prozesstag gegen eine Feldbefreierin, die 2008 schon MON810 auf einem Acker nahe Kitzingen unschädlich machte. Die Besetzer*innen solidarisieren sich ausdrücklich auch mit dieser Aktionsform gegen die Gentechnikindustrie.