Monsantofeld-Besetzung in Franken

24.04.2010
Auch am zweiten Tag haben die Besetzer*innen das Monsanto-Feld nicht verlassen. In den Medien werden sie zwar schon dafür kritisiert, völlig fehl am Platz zu sein, weil angeblich weder Monsanto noch der Feldeigner eine Aussaat von gv-Mais planten, aber die Aktivist*innen trauen dem „Frieden“ nicht. Wer sich die aktuellen Pressemeldungen zur Aktion ansieht (s. Medienecho) wird feststellen, dass es inzwischen drei verschiedene Versionen davon gibt, was angeblich dieses Jahr auf diesem Feld passieren soll, statt gv-Mais-Anbau. Die einen behaupten, der Regierung in Unterfranken läge kein Antrag von Monsanto vor, gv-Mais anzubauen, die anderen schreiben, der Regierung läge gar eine Verzichtserklärung von Monsanto vor. In der Zeitung ist zu lesen, Herr Hetterich, der Feldbesitzer, beteuere, keinen GV-Anbau zu planen, den Besetzer*innen sagt er, wenn Monsanto den Anbau wolle, würde er dem nachkommen. Nichts von alledem wurde den Besetzer*innen bisher durch Nachweise belegt.

Da sich der Konzern Monsanto in seiner jahrzehntelangen Geschichte nicht durch vertrauensbildende Maßnahmen zu Verbraucher*innen auszeichnete, tun die Aktivist*innen gut daran, sich auf bloßes Hören-Sagen nicht zu verlassen. Auch dass die Behörden in der Gentechnik-Vorsorge die nötige Sorgfalt missen lassen, ist bekannt (s. Seilschaften der Gentechnik in Deutschland, taz-Artikel zu Schlamperei in der MON810-Kontrolle. Dass nach jahrzehntelangem Streit um GV-Anbau in Deutschland die unnachgiebigen Protestaktionen in der Presse anscheinend nicht mehr auf die euphorische Begleitung von einst stoßen, ist zu erwarten. Zum Glück lässt sich sagen, dass die konkrete Unterstützung der Anwohner*innen vor Ort noch immer zahlreich solidarisch zu spüren ist. Gerade in Bayern weiß man, was man an den Unbeugsamen hat.

23.04.2010
Seit heute morgen besetzen circa 20 Menschen, von Bäuer*innen bis Öko-Aktivist*innen einen Genmaisacker im unterfränkischen Düllstadt nahe Würzburg. Durch die Besetzung soll die Aussaat mehrerer gentechnisch
veränderter Maislinien aus dem Hause Monsanto verhindert werden. In den letzten Jahren war Unterfranken eines der wenigen Zentren des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen in Westdeutschland, gleichzeitig aber auch Kristallisationspunkt des Widerstandes. 2009 überstand kein einziges Gentechnikfeld in der Region die Anbausaison unbeschadet.

Schwarzach am Main, Ortsteil Düllstadt: Ein 12 Meter hoher Turm, behangen mit gentechnik-kritischen Transparenten, ein massiver Stahlbetonblock zum Anketten und ein bunt bemaltes Zirkuszelt. Die Besetzer_innen haben sich eingerichtet und allerhand Vorkehrungen getroffen, um möglichst lange auf der Fläche zu bleiben, auf der auch dieses Jahr die Firma „Hetterich Feldversuche“ (Tel: 09352-979409-0) den
umstrittenen und inzwischen weitgehend verbotenen Gentechnik-Mais MON810, nebst weiterer Maislinien der Firma Monsanto, anbauen will. Das ist durch ein Schlupfloch im komplizierten deutschen Gentechnikrecht möglich: Dieses kennt nämlich zwei Arten des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen. Zum einen den (gewerblichen) Anbau, der, was MON810 angeht, im April letzten Jahres verboten wurde, und die Freisetzung. Als letztere ist der Anbau in Düllstadt deklariert, und somit, trotz erheblicher Sicherheitsbedenken, weiterhin legal.

„Es bestand jedoch ohnehin von Anfang an der Verdacht, dass das Anbauverbot von MON810 eher eine wirtschafts- als umweltpolitische Maßname war“, meint Aktivist Bernd Setzer. „Schließlich handelte es sich
um eine US-amerikanische Firma. Die Vehemenz mit der sich die Bundesregierung nun für die europaweite Zulassung der GV-Kartoffel „Amflora“, ein Produkt der deutschen BASF, eingesetzt hat, zeigt, dass es vornehmlich darum geht, deutsche Wirtschaftsinteressen zu schützen, nicht etwa Mensch und Umwelt.“ Den Besetzer*innen ist es besonders wichtig zu thematisieren, dass nicht nur der „böse US-Multi“ Monsanto
mit Gentechnik wirtschaftet, sondern gerade Deutschlands Chemie-Industrie kräftig mitmischt.

Dabei besteht gerade aus diesem Blickwinkel dringender Handlungsbedarf, wie die Aktivist*innen meinen. „Bei der Gentechnik handelt es sich zweifelsohne um eine hochriskante Technologie, die, einmal in der Natur freigesetzt, nicht mehr rückholbar ist“, so Setzer. „Für Genmais und Genkartoffel gilt eines gleichermaßen: Nicht die Welt braucht sie, sondern die Bilanzen der Konzerne die sie verkaufen.“

Die Aktivist*innen freuen sich über Unterstützer*innen und Besucher*innen, unabhängig von deren Meinung zur Gentechnik oder der gewählten Aktionsform.

Kontakt zu den Besetzern*innen:
Handy: 0162/19 66 288
mail: genfeld2010@riseup.net

Was die Besetzer*innen gut brauchen können:
Vegane Nahrungsmittel
Brenn- und Bauholz
Bänke, Tische
Decken, Schlafsäcke
Fahrräder als Leihgabe

Spenden werden für Transport-, Material und eventuelle Repressionskosten auch gerne angenommen:
Konto „Spenden und Aktionen“
Nr. 92881806
Volksbank Mittelhessen
BLZ: 513 900 00
Stichwort: „Düllstadt“

Greenpeace-Aktivisten schließen Gen-Kartoffel-Depot in Mecklenburg-Vorpommern

Bild von Bente Stachowske / Greenpeace
Greenpeace-Pressemitteilung: Greenpeace-Aktivisten haben heute das Lagerhaus für die Gen-Kartoffel Amflora in Bütow/Mecklenburg-Vorpommern verriegelt. „EU-Genkartoffel-Depot geschlossen“, lautet die Banner-Botschaft am Halleneingang, an den sich Aktivisten gekettet haben. Auf dem Gelände des Kartoffelzüchters Gut Bütow lagern 360 Tonnen der Gen-Kartoffel Amflora für den Anbau in der EU. Vorbereitet wird dort auch die Anpflanzung der Gen-Kartoffel in Mecklenburg-Vorpommern. Ab heute, drei Monate nach der Anmeldung im staatlichen Standort-Register, darf die Gen-Kartoffel ausgebracht werden. Ein aktuelles juristisches Gutachten von Greenpeace belegt jedoch, dass Anbau und Verbreitung von Amflora gegen EU-Recht verstoßen.

Agrar-Studenten besetzen Genfeld in Niedersachsen

Meldung vom 9. April 2010: Heute in den frühen Morgenstunden besetzte die Gruppe „Witzenhäuser Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft“ ein Versuchsfeld der KWS Saat AG, auf dem in Kürze die Aussaat von gentechnisch manipulierten Zuckerrüben starten soll.

Blockade der Maschienen (mehr…)